Neurologische Erkrankungen beim Pferd umfassen Symptome, welche mit Veränderungen des Bewusstseins, des Verhaltens, der Haltung und des Ganges zu tun haben. Der Aufbau und die Funktion des Nervensystems sind äusserst komplex. Die profunde klinisch-neurologische Untersuchung ist sehr wichtig für die Diagnostik.
Unter der Krankheit „idiopathisches Headshaking“ versteht man das unkontrollierte Schlagen des Kopfes in horizontale oder vertikale Richtung aufgrund Schmerzen im Bereich des Kopfes, welche durch eine Hypersensitivität des Trigeminusnervs verursacht wird. Aufgrund dessen wird auch von einem Trigeminus-vermittelten Headshaking gesprochen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Headshaken keine Widersetzlichkeit des Pferdes, sondern eine Krankheit ist, weshalb betroffene Pferde nicht ausgebunden oder bestraft werden dürfen.

Bildliche Darstellung vom Headshaking
Die Therapie eines Headshakers kann langwierig und frustrierend sein. Kein Headshaker ist gleich, wie der andere, jeder hat seine speziellen Symptome und Auslöser für das Headshaking. Ein Generalrezept für alle Headshaker gibt es leider nicht, jedoch können individuell angepasste Therapien gute Behandlungserfolge erzielen.
Die Narkolepsie und der REM-Schlafmangel werden umgangssprachlich häufig als Synonyme verwendet, obwohl es sich dabei um ganz unterschiedliche Erkrankungen handelt.
Pferde können im Stehen schlafen – dies lässt sich täglich gut beobachten. Der Kopf senkt sich leicht ab, die Augen sind halb oder ganz geschlossen und die Belastung der Hinterbeine wird in regelmässigen Abständen gewechselt.
Der Schlaf beim Pferd kann in drei unterschiedliche Phasen unterteilt werden. Der Leichtschlaf (Dösen), der Tiefschlaf (SWS-Schlaf = Slow Wave Sleep) und der REM-Schlaf (Rapid-Eye-Movement- Schlaf). Der Leicht- und Tiefschlaf ist im Stehen möglich, aber um in den REM-Schlaf zu kommen, müssen auch Pferde liegen.
In der REM-Phase ist das Pferd in Seitenlage, die Atem- und Herzfrequenz fährt herunter und die Muskulatur ist vollständig entspannt. Der REM-Schlaf ist für die Erholung des Pferdes unerlässlich.

Pferd liegend in Seitenlage

Pferd liegend in Seitenlage
Ein Pferd schläft pro Nacht ca. 3 Stunden, davon ungefähr die Hälfte liegend. Während der restlichen Nacht und auch am Tag gibt es mehrere unterschiedlich lange «Ruhezeiten». Diese Ruhezeiten finden stehend oder liegend (seitlich oder auch sternal) statt.

Pferde stehend am Dösen

Pferde sternal liegend

Pferde sternal liegend
Falls ein Pferd aus diversen Gründen nicht mehr abliegt, kommt es zu einem REM-Schlafmangel. Den Besitzern fällt beispielsweise auf, dass ihr Pferd immer wieder offene Wunden vorne an den Fesselköpfen hat.

Nach Sturz: Verletzung am Fesselkopf

Nach Sturz: Verletzung am Fesselkopf
Die Narkolepsie ist eine seltene neurologische Schlaf-Wach-Störung und tritt häufig schon im Fohlenalter auf. Sie beruht auf einem Hypokretinmangel (erworbene Form) oder einem Hypokretinrezeptormangel (angeborene Form). Hypokretine sind Neuropetidhormone, welche im Hypothalamus (Anteil des Zwischenhirns) gebildet werden und Einfluss auf das Essverhalten und den Schlafrhythmus haben.
Die Narkolepsie äussert sich durch Kataplexie (kurzzeitige Episoden von Muskelschwäche oder Paralyse ohne Bewusstseinsverlust), Halluzinationen, Lähmungen und Tagesschläfrigkeit und wird meistens durch einen Stimulus wie zum Beispiel Aufregung, aber auch Bürsten/ Streicheln ausgelöst.
Zur Diagnose-Sicherung kann dem Pferd Atropin intramuskulär oder intravenös verabreicht werden. Es zeigt anschliessend ein normales Verhalten.
Als Therapieoption werden Antidepressiva diskutiert. Eine Selbstheilung ist möglich.