Die Podiatrie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Behandlung von Krankheiten des Fusses, seiner Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie beschäftigt. In der Pferdeorthopädie beinhaltet die Podiatrie die Behandlung aller Erkrankungen rund um die Pferdehufe. Die Hufe werden von aussen auf Stellung und Symmetrie geprüft. Mittels Ganganalyse wird das Ab- und Auffussen sowie die Hufstellung in der Vorfürphase beurteilt. Das Röntgen hilft das „Innere“ des Hufes zu begutachten. Dadurch kann die Position des Hufbeins und der Zehenachse beurteilt werden. Verschiedene Spezialuntersuchungen, wie beispielsweise das Venogramm geben zusätzliche Informationen über die Hufgesundheit.
Die Zusammenarbeit zwischen Hufschmied und Tierarzt hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Der Grossteil der Pferde in unserem Patientengut haben solide und gute Hufe und benötigen keine routinemässigen, tierärztlichen Zusatzuntersuchungen wie Hufröntgen. Jedoch dienen solche Röntgenbilder, mit oder ohne Eisen, nicht nur der Erkennung von Stellungsfehlern oder Huferkrankungen. Die Röntgenbilder helfen auch einen orthopädischen Therapiebeschlag oder einen klassischen Beschlag zu beurteilen (z.B. anhand der Sohlen- und Wanddicke, der gemessenen Winkel etc.). Das sind Hilfsmittel, um die Arbeit vom Tierarzt und Hufschmied am Huf zu überprüfen.

Seitliches Röntgenbild eines Hufes mit Eisen
Das Wissen um die biomechanischen Kräfte vom Hufbein im Verhältnis zur Hornkapsel und den beteiligten Sehnen ist eine Wissenschaft für sich. Oftmals geht es dabei um eine Reduktion der Scher- und Hebelkräfte, die auf die Hufbein-Horn-Verbindung (Horn-Lamellen-Zone) einwirken. Beugesehnen und distale Gelenke (das Huf-, Kron- und Fesselgelenk) sind zusätzliche, anatomische Strukturen, die durch den Beschlag oder das Ausschneiden beeinflusst; respektive unterstützt werden können. Pferden, die mit Stellungsfehlern auf die Welt kommen oder über die Jahre eine suboptimale Hufstellung entwickeln kann geholfen werden, indem anhand von Röntgenbildern das Ausschneiden oder Beschlagen angepasst wird.

Stellungsröntgen bei kleinen Patienten
Sie ist eine der grössten Herausforderungen bei der Hufschmiede und Tierärzte in enger Zusammenarbeit dem Pferd helfen können. Bei der Beurteilung der Stellungsröntgenbilder ist es sehr wichtig, dass der Tierarzt die Bilder technisch korrekt anfertigt, diese mit gelernter Fachkenntnis interpretiert und mit dem Hufschmied bespricht.
An dieser Stelle möchten wir auf die neu gegründete Pferdepodiatrie-Schule verweisen in der Hufschmiede und Tierärzte in einer gemeinsamen 2-jährigen Weiterbildung alles über die Biomechanik und Huferkrankung lernen. Das VETCARE Team ist mit Dr. Gabriela Kaupp als Instruktorin im WEPA-Team vertreten.
Weitere Infos können unter https://www.shoeing4soundness.ch/wepa ersehen werden.

Pferde weisen oftmals an den Vorderbeinen zwei unterschiedliche Hufe auf. Häufig spricht man beim steileren der beiden von einem Bockhuf. Dennoch muss genau hingesehen werden, denn nicht jeder steil gewachsene Huf muss auch ein Bockhuf sein. Es ist deshalb wichtig zwischen dem «steilen Huf» und dem «Bockhuf» zu unterscheiden.
Bei der Strahlfäule handelt es sich um eine Infektion des Strahlhorns. Verantwortlich gemacht werden Bakterien, die sich gut in der Nässe und ohne Sauerstoff vermehren, und Pilze, welche in der natürlichen Umgebung zu finden sind.
Wie der Name schon sagt, erscheint das Strahlhorn faulig verändert. Dies äussert sich durch eine Konsistenzänderung des Horns. Es wird weich und schmierig. Durch die Fäulnis bildet sich braun-schwarzes Sekret, was verantwortlich ist für den stinkenden Geruch.
Die mittlere Strahlfurche ist dabei am häufigsten betroffen. Es kann aber auch der gesamte Strahl wie auch das Zwischenballenhorn verändert sein (siehe Bild). Strahlfäule kann für das Pferd sehr schmerzhaft werden, sobald die Infektion tiefer geht und die sensiblen Anteile der Lederhaut erreicht.
In schwerwiegenden Fällen muss ein Tierarzt hinzugezogen werden. Das ist, wenn die Strahlfäule soweit fortgeschritten ist, dass schmerzbedingt eine adäquate Behandlung durch den Hufschmied und Pferdebesitzer nicht mehr gewährleistet werden kann.
Bei der Hufrehe handelt es sich um eine seit jeher gefürchtete, extrem schmerzhafte Entzündung der Lederhautlamellen im Innern der Hufe. Sie kann durch verschiedenste Faktoren ausgelöst werden und sowohl akut als auch chronisch verlaufen. Die Behandlung ist zwar aufwändig, aber (sofern korrekt durchgeführt) in den meisten Fällen erfolgreich und das Pferd erholt sich komplett. Um ein Wiederauftreten zu verhindern muss unbedingt der Auslöser gefunden und eliminiert werden.
Hufrollenerkrankung, Hufrollensyndrom, Strahlbeinsyndrom oder auch Podotrochlose sind Synonyme und beschreiben alle dieselbe Erkrankung.
Die Krankheit ist schon länger bekannt und wurde das erste Mal im Jahr 1752 beschrieben. Das Pferd hat dabei Schmerzen im hinteren Bereich des Hufs. Es ist eigentlich ein Syndrom, da nicht nur das Strahlbein (Os naviculare), sondern auch der Strahlbeinschleimbeutel (Bursa podotrochlearis), die Strahlbeinbänder (Ligamentum sesamoideum distale impar, Lig. sesamoideum kollaterale, Lig. chondrosesamoideum) und die tiefe Beugesehne involviert sind.
Anatomie des Hufbeins
Das Strahlbein (a) bildet zusammen mit dem Hufbein und dem unteren Anteil des Kronbeins das Hufgelenk. Das Strahlbein hat normalerweise zystoide Hohlräume "Canales sesamoidales" (f), welche mit Synovialzellen des Hufgelenks ausgekleidet sind (anatomisch normal). Des Weiteren Foramina nutricia, welche Blutgefässe enthalten zur Ernährung des Knochens. Die Gelenkfläche "Facies articularis" (g) ist dem Hufgelenk und die Gleitfläche "Facies flexoria" (d) ist dem Strahlbeinschleimbeutel (c) und der tiefen Beugesehne (b) zugewandt.
Die Gleitfläche hat teilweise auch zystoide Hohlräume mit Verbindung zum Strahlbeinschleimbeutel. Das Strahlbein hält die tiefe Beugesehne in einem konstanten Winkel, wie eine Art Umlenkrolle. Die Gleitfläche und der Schleimbeutel ermöglichen ein sanftes und möglichst reibungsfreies Gleiten der tiefen Beugesehne in der Bewegung.
Das Strahlbeinsyndrom ist eine chronisch degenerative Erkrankung, dies bedeutet nicht heilbar und fortschreitend. Mit dem richtigen Management und Therapien kann das Fortschreiten aber zeitweise gestoppt und verlangsamt werden. Gut bis vorsichtig sind die Prognosen bezüglich der Schmerzfreiheit. Sie ist jedoch abhängig vom Schweregrad. Oft ist wie gesagt nicht nur der Knochen involviert, sondern auch Bänder, die tiefe Beugesehne und der Schleimbeutel. Der individuelle Schweregrad der Schäden und das Ansprechen auf die Therapien beeinflussen die Prognose stark.
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Venogramm eines gesunden Hufes
Bei der Venographie oder dem Venogramm wird mittels intravenös injiziertem Kontrastmittel und danach angefertigten Röntgenbildern die Durchblutung des Hufbeins und dessen Aufhängeapparates dargestellt.