Hepatologie

Leber-Pathologien beim Equiden

Die Leber ist beim Menschen wie auch beim Pferd eines der zentralen Organe für das Umsetzen von Stoffwechselprodukten. Zu ihren Funktionen gehören der Abbau von Nährstoffen, die Produktion von Energieträgern und Proteinen, die Speicherung von Glykogen (eine Speicherform der Glukose oder des Blutzuckers), die Entgiftung und die Gallenflüssigkeitsbildung. 

Der Gallensaft wird frisch in den Leberzellen produziert und fliesst entlang der Gallengänge in den Dünndarm. Bei längerfristiger Belastung mit Schadstoffen oder bei einem infektiösen Geschehen sterben Leberzellen ab und leberspezifische Enzyme werden in den Blutkreislauf abgegeben. In diesem Fall muss die Leber „Überstunden“ leisten, kann sich aber häufig selbst regenerieren.


Hyperlipämie/Hyperlipidämie

Die Hyperlipämie ist eine Krankheit, die am häufigsten bei Ponies, Mini Horses und Eseln/Maultiere/Mauleseln vorkommt. Aber auch die laktierende Stute und schwer angeschlagene Pferde können daran erkranken.

Übersicht Magen-Darm Trakt beim Pferd

Ursache

Durch eine negative Energiebilanz, zum Beispiel durch Trächtigkeit, eine schwere Krankheit oder Anorexie, werden Fettsäuren aus dem Fettgewebe mobilisiert. Dadurch befinden sich vermehrt Triglyzeride und andere Lipoproteine im Blut. Diese können sich als Fett in der Leber einlagern und hier Schäden verursachen und die Leberfunktion belasten.

Symptome

Die Symptome einer Hyperlipämie sind häufig unspezifisch, und zeigen sich als Apathie, Anorexie, Schwäche, Durchfall und/oder Kolik. Im Blutbild sind erhöhte Triglyzerid-Werte u.a. zu finden. Manchmal sind auch bereits die Leberwerte erhöht.

Therapie

Im ersten Schritt muss die Primärkrankheit, falls erkennbar, behandelt werden. Zusätzlich werden Infusionen mit Glukosezusatz angewendet und der Appetit wird angeregt, um den Blutzucker zu stabilisieren. In schweren Fällen müssen die Pferde zwangsgefüttert werden. 

Eine Besserung des klinischen Zustandes folgt meist verzögert in 3 bis 10 Tagen.

Vergiftungen durch Pflanzen

Die Tabelle ist nicht vollständig, soll aber die in unseren Breitengraden möglichen Gifte aufzeigen.

Abgefressene Weiden und auch eine erhöhte Belastung der Weide mit Kot führen sowohl zu hohen Wurmbürden und andererseits auch dazu, dass die Pferde eher giftige Pflanzen fressen, welche sie sonst nicht ignorieren würden.

Auch das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobeae) breitet sich bei uns wieder vermehrt aus.

Weidenmanagement

Jakobskreuzkraut

Therapie

symptomatisch: siehe oben

Virale Erreger

Equines Parvovirus

Das equine Parvovirus wurde neuerlich als Auslöser der akuten viralen Leberentzündung identifiziert. Übertragen wird es über engen Kontakt oder durch das Verabreichen von biologischen Produkten (z.B. Pferdeplasma, Botulinum Antitoxin oder Tetanusserum).

Symptome

Häufig ist der Verlauf asymptomatisch – und möglicherweise sind die Leberwerte nicht einmal verändert. Es sind aber auch dramatische Verlaufsformen mit dem Tod innert weniger Tage beschrieben.

Diagnostik, Therapie, Prognose

Es handelt sich um ein Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen. Eine Blutuntersuchung bei welcher Virusmaterial (PCR-Verfahren) gesucht wird, ist möglich.
Die Therapie ist von symptomatischer Natur.
Die Prognose ist gut wenn der Verlauf asymptomatisch und mild ist, aber vorsichtig bis schlecht bei Anzeichen von Leberversagen. Momentan ist noch kein Impfstoff entwickelt.

Equines Hepacivirus

Das equine Hepacivirus ist, wie der Name vermuten lässt, ein Virus welches eine Leberentzündung auslöst. Diese Infektion verläuft häufig subklinisch und wird oft erst im chronischen Stadium entdeckt. Die Übertragung erfolgt auch hier durch das Verabreichen von biologischen Produkten oder über andere Wege, die bis dato nicht verstanden sind.

Symptome

Es handelt sich ebenfalls um ein Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen. Eine Blutuntersuchung bei welcher Virusmaterial (PCR-Verfahren) gesucht wird, ist möglich. Die Therapie ist symptomatisch, die Prognose ist bei günstig bei asymptomatischen Fällen.

Diagnostik, Therapie, Prognose

Es handelt sich ebenfalls um ein Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen. Eine Blutuntersuchung bei welcher Virusmaterial (PCR-Verfahren) gesucht wird, ist möglich. Die Therapie ist symptomatisch, die Prognose ist bei günstig bei asymptomatischen Fällen.

Parasiten


Leberegel (Fasciola Hepatica)

Der Leberegel braucht für seinen Lebenszyklus eine Schnecke als Zwischenwirt und kommt daher vor allem auf Weiden mit Wassergräben oder Biotopen vor. Im Endwirt lebt er in den Gallengängen der Leber.

Koprologie mit einem Leberegel Ei

Koprologie mit einem Leberegel Ei, Quelle: Diagnose von Helminthosen durch koproskopische Untersuchung, D. Thienpont

Lebenszyklus

Der adulte Leberegel lebt in den Gallengängen und legt dort seine Eier, welche über die Gallenflüssigkeit in den Darm gelangen und so mit dem Kot auf der Weide abgesetzt werden. Wird der Kot in der Nähe eines stehenden Gewässers abgesetzt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass eine Schlammschnecke vorbeikommt und einige der Eier frisst. In der Schnecke entwickeln sich die Eier dann zu sogenannten Cercarien (Larvenformen), welche auf Pflanzen wieder ausgeschieden werden. Die Pferde fressen diese mit Larven belegten Pflanzen und infizieren sich auf diese Weise wieder mit dem Parasiten. Die Larven wandern vom Darm in Leber und entwickeln sich dort wieder zu adulten Wurmformen, die erneut Eier absetzen.

Symptome

In den meisten Fällen verläuft eine Infektion mit Leberegeln symptomlos. Oftmals findet man nur erhöhte Leberwerte im Blut und kann die Ursache nicht identifizieren. Lebt das Pferd auf einer Weide mit einem stehenden Gewässer, dann ist der Befall mit Leberegeln eine Differenzialdiagnose, welche untersucht werden sollte.

Diagnose

Der Leberegel kann in der Kotprobe (drei separate Stuhlproben desselben Tieres an drei aufeinanderfolgenden Tagen) mit einem sogenannten Sedimentationsverfahren nachgewiesen werden. Antikörpertests welche beim Rind gute Resultate bringen, sind beim Pferd weniger zuverlässig.

Therapie

Beim Pferd werden Wirkstoffe wie Triclobendazol oder Levamisol eingesetzt.

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