
Als der 22-jährige Reitpony-Wallach Shaman zu uns kam, deutete vieles auf eine Hufrehe hin. Besonders beim Wenden hatte er starke Schmerzen und bewegte sich klamm und kurztrittig. Auch das typische «Trachtenfussen» war deutlich zu erkennen: Shaman stellte die Vorderbeine nach vorne und verlagerte sein Gewicht auf die Trachten, um die schmerzenden Zehenbereiche zu entlasten.
Beide Vorderhufe waren auffällig warm und die Mittelfussarterien pulsierten stärker als normal. Auch bei der Untersuchung mit der Hufzange reagierte Shaman im Bereich der Zehenspitzen schmerzhaft.
Röntgenaufnahmen brachten schliesslich Gewissheit – und zugleich eine gute Nachricht: Das Hufbein zeigte erst eine minimale Rotation innerhalb der Hornkapsel (als Nebenbefund zeigten sich zudem eine Hufgelenks- und Krongelenksarthrose, die zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht signifikant waren).
Um die Schmerzen und die Entzündung zu lindern, erhielt Shaman entzündungshemmende Medikamente sowie weiche Verbände mit Silikoneinlagen, um den Zug der Sehnen zu reduzieren. In den ersten Wochen war zudem strikte Boxenruhe notwendig, damit die Entzündung im Huf abklingen konnte.
Gleichzeitig wollten wir wissen, was die Hufrehe ausgelöst hatte. Deshalb wurde Shaman auf Cushing und das Equine Metabolische Syndrom (EMS) getestet. Cushing konnte glücklicherweise ausgeschlossen werden. Die erhöhten Insulin- und Glukosewerte führten zur Diagnose EMS.
Shaman wurde daraufhin auf Diät gesetzt, um sein Gewicht zu reduzieren. Unterstützend erhielt er Medikamente, die den Glukosestoffwechsel beeinflussen und die Blutzuckerkonzentration senken.
Bereits nach wenigen Tagen konnte Shaman dank der unterstützenden Therapie wieder schmerzfrei laufen. In den folgenden vier Wochen konnten die Schmerzmittel schrittweise reduziert werden. Mit Verbänden und gepolsterten Hufschuhen blieb Shaman weiterhin komfortabel, sodass die Schmerzmittel schliesslich ganz abgesetzt werden konnten. Auch seine Insulin- und Glukosewerte gingen unter der Behandlung zurück.
Shaman bleibt weiterhin auf Diät. Damit er den Sozialkontakt mit seinen Artgenossen pflegen kann, geht er für kurze Intervalle mit einem Maulkorb auf die Weide.
Wir freuen uns sehr über seine positive Entwicklung und hoffen, dass Shaman noch viele schöne Momente mit seinen Weidekollegen geniessen kann.

Geringgradige Rotation vom Hufbein in Relation zur Hornkapsel, Vorderbein links

Zusätzlich radiologische Anzeichen von Huf- und Krongelenksarthrose, Vorderbein rechts